Der interessante Fall

Eine 66jährige Patientin berichtet über hellrote Blutauflagerungen auf dem Stuhlgang, die ihr seit etwa 4 Wochen aufgefallen seien. Die daraufhin durchgeführte Coloskopie zeigt einen ulcerierenden Tumor im Colon ascendens. Es wird eine Probebiopsie entnommen; die Histologie ergibt ein kolorektales Adenocarcinom. Hinweise auf Metastasen (z.B. Lunge, Leber) finden sich bei den weiteren Untersuchungen nicht.

Die Patientin wird stationär zur Hemicolektomie aufgenommen. In der Vorgeschichte findet sich neben 2 unauffällig verlaufenden Schwangerschaften und einer milden Hypertonie ein Myocardinfarkt vor 8 Jahren, weshalb die Patientin Acetylsalicylsäure (ASS) einnimmt. Die Hemicolektomie erfolgt (nach Absetzen des ASS und Umstellung auf Heparin) komplikationslos. Am 1. postoperativen Tag sollen der Patientin wegen eines Hb-Wertes von 8,2 g/dl 2 Erythrozytenkonzentrate transfundiert werden. Die Blutgruppenbestimmung der Patientin ergibt die Blutgruppe A Rh pos. (Cc D. Ee). Alle prätransfusionellen serologischen Untersuchungen (Antikörpersuchtest, Kreuzproben) sind unauffällig.

Ca. 15 Minuten nach Beginn der ersten Transfusion klagt die Patientin über plötzlich auftretende, beidseitige Flankenschmerzen und starke Übelkeit. Kurz danach kommt es zu einem rapiden Blutdruckabfall auf Werte von 70/30 mmHg. Parallel dazu treten Rhythmusstörungen in Form von Bigemini und Trigemini auf. Die Patientin erhält Katecholamine und wird auf die Intensivstation verlegt. Dort fällt beim Legen eines Blasenkatheters rötlich verfärbter Urin auf. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem progredienten Nierenversagen, einer disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC) sowie einem trotz maximaler Therapie mit Katecholaminen nicht beherrschbaren Kreislaufverfall. Die Patientin verstirbt einen Tag nach Aufnahme auf der Intensivstation.

Was könnte passiert sein?