Akute Anämie

(z. B. akuter Blutverlust)

Als Trigger für eine sofortige Transfusion gilt bei organgesunden, belastbaren Patienten ein Hämatokrit von ca. 15-20% (entsprechend einem Hb-Wert von ca. 6,0 g/dl).

Bei kardiovasulär vorgeschädigten oder anderweitig schwer kranken Patienten (z. B. Sepsis, Mulitorganversagen) bzw. Hinweis auf eine Hypoxie (z. B. Tachykardie) sollte man früher transfundieren. Hier kann ein Hämatokrit von 25% bzw. ein Hb-Wert von 8,00 – 10,0 g/dl als Transfusions-Trigger gelten. Dies gilt auch für den hämorrhagischen Schock, bei dem man versuchen sollte, die Patienten auf einem Hb-Wert von ca. 10 g/dl zu halten.

Unter einen Hämatokrit von ca. 15-20% (entsprechend einem Hb-Wert von ca. 6,0 g/dl) sollte man in der Regel keinen Patienten abfallen lassen; über einem Hämatokrit von 30% (entsprechend einem Hb-Wert von ca. 10,0 g/dl) ist der Nutzen einer Transfusion nicht mehr belegbar.

Es gilt jedoch gerade beim akuten Blutverlust zu beachten, dass man niemals den Hb-Wert alleine, sondern immer auch die Geschwindigkeit des Hb-Abfalls, die Dynamik der klinischen Situation und die aktuelle Symptomatik des/der PatientInnen berücksichtigen sollte.

Chronische Anämien

Bei chronischen Anämien sind die Patienten häufig klinisch gut an einen niedrigen Hb-Wert adaptiert. Deshalb sollte man sich hier ganz besonders an klinischen Symptomen und weniger an Laborwerten orientieren.

Als grundsätzlichen Transfusions-Trigger kann man jedoch auch hier entweder einen Hb-Wert um 6,0 g/dl entsprechend einem HK von ca. 15-20% oder das Auftreten klinischer Symptome (z.B. Tachykardie, Dyspnoe) werten.

Grundsätzlich gilt:

Bei allen Entscheidungen zur Transfusion ist die Beurteilung des klinischen Zustandes des Patienten mindestens genauso wichtig wie der Hb- oder HK-Wert. Es darf nie allein nach einem Laborwert entschieden werden, sondern es muß immer die Gesamtsituation des Patienten mit berücksichtigt werden.